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Die Welt wird nach Meinung der Stoiker vom Walten der Götter gelenkt;
sie ist sozusagen eine politische und staatliche Gemeinschaft von Menschen
und Göttern und ein jeder von uns ist Teil dieser Welt. Daraus ergebe
sich als natürliche Folge, dass wir den Gemeinnutz dem Eigennutz
vorziehen. Wie nämlich die Gesetze das Wohl aller über das von
Einzelpersonen stellen, so ist ein guter und weiser Mann einer, der den
Gesetzen gegenüber Gehorsam zeigt und sich seiner Bürgerpflicht
bewusst ist, mehr auf den Nutzen der Allgemeinheit als auf die Interessen
irgendeines Einzelmenschen oder gar auf seine eigenen bedacht. Ein Vaterlandsverräter
verdient nicht mehr Tadel als einer, der den Nutzen und das Wohlergehen
der Gemeinschaft preisgibt wegen seines Interesses an persönlichem
Nutzen und an eigenem Wohlergehen. Daraus ergibt sich, dass Lob verdient,
wer sein Leben für das Wohl des Staates opfert, weil uns das Vaterland
mehr wert sein muss als unsere eigene Person. Und weil das viel gehörte
Wort: "Meinetwegen mag nach meinem Tod die ganze Welt in Flammen
aufgehen" als unmenschlich und frevlerisch gilt, ist das sicherlich
die richtige Einstellung, dass man auch für die Nachwelt um ihrer
selbst willen Verantwortung tragen muss. Aus dieser Grundeinstellung rühren
auch Testamente und Vermächtnisse von Menschen her, die im Sterben
liegen. Und weil ja wohl niemand in völliger Einsamkeit sein Leben
verbringen möchte, selbst nicht bei einem grenzenlosen Übermaß
an Genüssen, ist es leicht einzusehen, dass wir von Geburt an auf
eine enge Verbindung mit Menschen , d.h. auf die naturgemäße
Gemeinschaft hin angelegt sind. Wir fühlen aber auch von Natur den
Drang, möglichst vielen nützen zu wollen, und zwar besonders
durch Belehrung und Vermittlung der Grundsätze vernünftiger
Lebensführung. Deshalb findet man nicht leicht jemanden, der nicht
sein eigenes Wissen an den Nächsten weitergeben wollte. So haben
wir eine Neigung, nicht bloß zu lernen, sondern auch zu lehren.
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